Altes Bahnhofsgebäude in Krakau

Geschichte der Eisenbahn in Krakau

Die Geschichte der Eisenbahn in Krakau begann in einer Ära tiefgreifenden politischen und industriellen Wandels. In den 1840er-Jahren wurde die private Krakau-Oberschlesische Eisenbahngesellschaft gegründet, um die damalige Republik Krakau an das oberschlesische Industriegebiet anzubinden. Am 13. Oktober 1847 schlug schließlich die Geburtsstunde des Schienenverkehrs in der Stadt, als der erste offizielle Zug feierlich in Richtung Mysłowice aufbrach. Gezogen wurde dieser historische Zug von einer Dampflokomotive, die passenderweise den Namen „Kraków“ trug. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1850, übernahm der österreichische Staat die Bahnlinie, da Krakau nach dem Krakauer Aufstand in das Habsburgerreich eingegliedert worden war.




Das historische Empfangsgebäude als Tor zur Welt

Parallel zum Bau der ersten Schienenstränge entstand zwischen 1844 und 1847 das erste feste Bahnhofsgebäude. Der Architekt Peter Rosenbaum entwarf einen repräsentativen Bau im neorenaissancistischen Stil, dessen Gleisanlagen parallel zum Gebäude verliefen. Anfangs mündeten die Gleise noch in einer gemauerten Bogenhalle am nördlichen Ende, durch die die Züge in den Bahnhof einfuhren. Weil Krakau ein strategisch wichtiger Knotenpunkt an den Grenzen dreier Kaiserreiche war, wuchs das Verkehrsaufkommen rasant. Bereits 1856 wurde die Strecke nach Osten in Richtung Dębica erweitert, um schließlich eine durchgehende Verbindung nach Lemberg zu schaffen. Diese Expansion machte kontinuierliche Umbauten notwendig. Zwischen 1869 und 1894 wurde der Bahnhof in mehreren Phasen massiv erweitert und seine Kapazität nahezu verdoppelt. In den 1930er-Jahren, zur Zeit der Zweiten Polnischen Republik, folgte ein weiterer großer Umbau, bei dem die alte historische Bahnhofshalle abgerissen und durch moderne, individuelle Bahnsteigdächer ersetzt wurde. Ursprünglich endeten alle Züge im Krakauer Bahnhof, da er als Kopfbahnhof angelegt war.

Die Transformation zum modernen Tiefbahnhof

Über Generationen hinweg prägte das markante oberirdische Neorenaissance-Gebäude das Stadtbild. Doch mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts stieß die historische Infrastruktur endgültig an ihre logistischen Grenzen. Krakau benötigte ein völlig neues Verkehrskonzept. Im Jahr 2014 wurde der oberirdische Personenbahnhof offiziell geschlossen. Stattdessen wurde im Februar 2014 ein völlig neuer, unterirdischer Tunnelbahnhof unter den bestehenden Gleisen in Betrieb genommen. Der neue Hauptbahnhof Kraków Główny präsentiert sich seither als ein vollintegriertes Mobilitätszentrum. Reisende finden Fahrkartenschalter, Warteräume und Serviceeinrichtungen in einer modernen Unterführung, die direkt mit den fünf darüberliegenden Inselbahnsteigen verbunden ist.

Der Bahnhof als Herzstück der Stadt von heute

Der heutige Tiefbahnhof ist weit mehr als nur eine Haltestelle für Züge. Er bildet das schlagende Herz eines multifunktionalen Verkehrskomplexes. Westlich schließt sich das gigantische Einkaufszentrum Galeria Krakowska direkt an die Bahnhofspassage an, während sich auf der östlichen Seite der zentrale Busbahnhof befindet. Über ein ausgeklügeltes System aus Rolltreppen und Aufzügen gelangen Passagiere zudem schnell zur unterirdischen Straßenbahn oder zum oberen Parkdeck samt Taxistand. Neben dem Hauptbahnhof, der heute täglich zehntausende Pendler sowie internationale Fernzüge aus Städten wie Prag, Wien oder Berlin abfertigt, sichern kleinere Stationen wie Kraków Płaszów oder Kraków Zabłocie den regionalen Nahverkehr. Das geschichtsträchtige alte Bahnhofsgebäude blieb glücklicherweise erhalten: Es ist heute ein fester Bestandteil der Krakauer Technischen Route und dient als Kultur- und Ausstellungsraum.



Am alten Bahnhofsgebäude erinnert eine  Gedenktafel an die polnischen Eisenbahner, die während der deutschen Besatzung von 1939 bis 1945 ihr Leben verloren. Viele wurden verfolgt, hingerichtet oder starben, weil sie im Widerstand gegen die Nationalsozialisten tätig waren oder als Staatsbedienstete ins Visier der Besatzer gerieten. Der Bahnhof war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und spielte während des Krieges eine zentrale Rolle für Truppen- und Deportationszüge. Die Tafel nennt keine Namen und kein einzelnes Ereignis. In der Region Krakau gab es allerdings auch konkrete Verbrechen gegen Eisenbahner. Ein Beispiel ist die Hinrichtung von sieben polnischen Eisenbahnern am 26. Juni 1942 beim Bahnhof Kraków Płaszów. Sie wurden von den deutschen Besatzungsbehörden öffentlich gehängt, weil ihnen Widerstandstätigkeit vorgeworfen wurde. Auch ihnen ist in Krakau ein Denkmal gewidmet.
Gedenktafel am alten Bahhofsgebäude
Gedenktafel am alten Bahhofsgebäude

Die Gedenktafel trägt folgende Inschrift (auf Polnisch):

1939 – 1945

**W GŁĘBOKIM HOŁDZIE
KOLEJARZOM KTÓRZY Z MIŁOŚCI
DO OJCZYZNY ZŁOŻYLI KRWAWĄ
OFIARĘ ŻYCIA W LATACH NAJAZDU
I TERRORU HITLEROWSKIEGO. DLA
CZCI I TRWAŁEJ PAMIĘCI TĘ TABLI-
CĘ PRZEKAZUJĄ PRZYSZŁYM PO-
KOLENIOM

KOLEJARZE
WĘZŁA KRAKOWSKIEGO**

Unten rechts steht das Datum der Enthüllung:

1 WRZEŚNIA 1963 (1. September 1963)

Deutsche Übersetzung

1939–1945

In ehrendem Gedenken an die Eisenbahner, die aus Liebe zum Vaterland während der Jahre der Invasion und des nationalsozialistischen Terrors ihr Leben als blutiges Opfer hingaben. Zur Ehre ihres Andenkens und zu ihrem bleibenden Gedenken übergeben die Eisenbahner des Krakauer Eisenbahnknotens diese Gedenktafel den kommenden Generationen.

Eisenbahner des Krakauer Eisenbahnknotens

Enthüllt am 1. September 1963.