Die Rail Baltica ist eine im Bau befindliche Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverbindung, die das Baltikum an das europäische Bahnnetz anbinden soll. Die Strecke wird eine Gesamtlänge von ca. 870 km haben und durch Estland, Lettland und Litauen führen. Sie wird mit der europäischen Normalspur (1.435 mm) gebaut, im Gegensatz zur bisherigen russischen Breitspur in der Region. Das Projekt soll Fahrten mit Geschwindigkeiten von bis zu 240 km/h für Personen- und Güterverkehr ermöglichen.
Stichstrecke von Kaunas nach Vilnius
Die Entwicklung der Rail-Baltica-Verbindung zwischen Kaunas und Vilnius ist geprägt von einer nachträglichen Anpassung des ursprünglichen Gesamtkonzepts. Die Haupttrasse des Projekts wurde zunächst als durchgehender Nord-Süd-Korridor von Tallinn über Riga und Kaunas bis zur polnischen Grenze geplant, wobei Vilnius nicht direkt in diese Hauptlinie einbezogen war.
Im weiteren Planungsprozess wurde jedoch entschieden, die litauische Hauptstadt über eine separate Stichstrecke an Kaunas anzubinden. Diese Lösung setzte sich als Kompromiss durch, um sowohl die internationale Hauptachse effizient zu halten als auch Vilnius in das europäische Normalspurnetz einzubinden. Damit blieb Kaunas der zentrale Knotenpunkt der Hauptstrecke, während Vilnius eine ergänzende Verbindung erhielt. In der Folge wurden die raumordnerischen Grundlagen für den Abschnitt Kaunas–Vilnius ausgearbeitet und der Trassenkorridor festgelegt. Dieser verläuft unter anderem über Kaišiadorys, Vievis und Lentvaris und berücksichtigt auch den Anschluss wichtiger Verkehrsinfrastruktur wie Flughäfen und multimodale Terminals. Technisch ist die Strecke als Normalspurverbindung konzipiert und Teil des langfristigen Ziels, die baltischen Staaten besser in das europäische Schienennetz zu integrieren.
Litauen als zentrales Drehkreuz im baltischen Bahnnetz
Die Umsetzung der Verbindung erfolgt jedoch zeitlich versetzt zur Hauptstrecke. Während der Bau der internationalen Achse Priorität hat und durch EU-Mittel stark gefördert wird, ist die Kaunas–Vilnius-Strecke derzeit als nachgelagerte Phase vorgesehen. Die Finanzierung ist noch nicht vollständig gesichert, sodass die Realisierung voraussichtlich erst in den kommenden Jahren beziehungsweise nach 2030 konkret erfolgt. Erste vorbereitende Maßnahmen wie Planung und Grundstückssicherung sind jedoch bereits eingeleitet. Die neue Strecke wird Vilnius direkt an das europäische Normalspurnetz anbinden. Sobald die Hauptachse von Rail Baltica fertiggestellt ist, rückt die litauische Hauptstadt deutlich näher an Warschau, Riga und Tallinn heran. Das stärkt nicht nur den Personenverkehr, sondern auch den Gütertransport und die strategische Mobilität innerhalb Europas. Der Nutzen ist erheblich: Künftig soll die Fahrzeit zwischen Kaunas und Vilnius auf nur noch rund 38 Minuten sinken. Gleichzeitig stärkt die Verbindung Litauens Rolle als zentrales Drehkreuz im baltischen Bahnnetz. Die Strecke verspricht langfristig erhebliche wirtschaftliche Impulse – von schnelleren Transportwegen bis zu neuen Investitionen entlang der Trasse.
Besonders anspruchsvoll ist das Projekt wegen der dichten Besiedlung entlang der geplanten Trasse. Die Strecke wird durch zahlreiche Gemeinden führen und wichtige Verkehrsknotenpunkte miteinander verbinden, darunter die Flughäfen von Vilnius und Kaunas. Zusätzliche Über- und Unterführungen sollen die Sicherheit erhöhen und Anwohner nicht vom Rest der Welt abschneiden – was bei Bahnprojekten gelegentlich als netter Nebeneffekt gilt.
Quellen:
- https://www.globalrailwayreview.com/lithuania-approves-kaunas-vilnius-rail-baltica-section-to-advance-connectivity/2135278.article
- https://madeinvilnius.lt/en/transport/trains/A-special-Rail-Baltica-plan-is-being-prepared-between-Kaunas-and-Vilnius–investments-will-reach-25-billion-euros/
- https://www.lrt.lt/en/news-in-english/19/2904251/lithuania-aims-to-complete-rail-baltica-by-2033
- https://kaunas.kasvyksta.lt/2025/02/04/verslas/rail-baltica-linijos-kaunas-vilnius-planas-zemes-sklypu-ir-statiniu-ispirkimui-reikes-apie-100-mln-euru/
Titelbild: Verlegung der ersten Schienen Gintare.saulyte, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons