Die Moskauer Metro: Stationen prächtig und wunder­schön wie Paläste

Wer die Metro in Moskau betreten möchte, staunt schon vor dem Eingang über die strengen Eingangskontrollen: Um Zugang zur Metro zu erhalten, ist eine gültige Fahrkarte vonnöten, um die Zugangssperre zu passieren. Auch Sicherheitskräfte stehen vor der Metro und wahren Kontrolle darüber, dass lediglich Menschen Zugang erhalten, die tatsächlich U-Bahn fahren möchten. Betrunkene oder obdachlose Personen haben ins Innere der Moskauer Metro keinen Zugang.

Der Grund für diese Kontrollen wird jedem klar, sobald er über steile, schier unendliche Rolltreppen das Innere der Metro betreten hat: Die Stationen sind nicht nur absolut sauber und gepflegt, sondern ganz besondere, individuelle, prächtige Paläste. Viele der Stationen beinhalten herrliche Büsten, Skulpturen und Säulen aus wertvollsten Materialien wie unterschiedlichen Marmorsorten, beeindrucken mit Stucken an ihren Decken und Wänden, einige sind mit wunderschönen Mosaiken und Gemälden geschmückt. Nicht nur Decken und Wände, auch die Böden sind auf das Sorgfältigste mit verschiedensten Mustern und Mosaiken auf wertvollem Marmor verziert.

Die Beleuchtung setzt all der Pracht eine Krone auf: Die Lampen in der Moskauer Metro sind herrliche Kronleuchter und alte, verspielt gestaltete Straßenlaternen.

Natürlich sind nicht alle Metrostationen dermaßen aufwendig gestaltet, sondern vorwiegend jene, die in den ersten Jahren nach der Eröffnung 1935 erbaut worden sind. Viele der neueren Stationen sind einfacher und funktionaler, während die ganz neuen inzwischen schon wieder prächtiger sind, wie etwa die 2010 eröffnete Station „Dostojewskaja“, die mit Tafeln verziert ist, die Schwarz-Weiß-Malereien und Mosaike von Motiven den Romanen des berühmten Schriftstellers Fjodr Dostojewski enthalten.

Metro-Station Dostojewskaja

Die Gestaltung dieses im Juni 2010 eröffneten U-Bahnhofs mit Motiven aus Leben und Werk des Schriftstellers Schriftstellers Fjodr Dostojewski (1821 – 1881) übernahm der Künstler Iwan Nikolajew.

Die schönsten U-Bahn Stationen befinden sich auf der Ringlinie und innerhalb dieser im Stadtzentrum. Dazu zählen die Stationen:

Metrostation Kiewskaja

Die U-Bahnstation unterhalb des Kiewer Bahnhofs verbindet die Ringlinie mit den Linie 3 und 4. Auf Mosaiken wird die Freundschafts Russlands zur Ukraine mit deren Anschluss an die Sowjetunion sowie die Befreiung Kiews im II. Weltkrieg thematisiert.

Metrostation Komsomolskaja

Die U-Bahnstation unter dem Komsomolskaja-Platz, ist benannt nach der gleichnamigen sowjetischen Jugendorganisation. Es gibt in unmittelbarer Nähe drei Fernbahnhöfe – der Jaroslawler, der Kasaner und der Leningrader Bahnhof – sowie den Regionalbahnhof Kalantschowskaja.

U-Bahn-Station Majakowskaja -

Benannt nach Wladimir Wladimirowitsch Majakowski, einem sowjetischen Dichter (1893 – 1930). Diese Metrostation erhielt den Grand Prix für Architektur. Die 30 Gewölbemosaike beschäftigen sich mit der Luftfahrt.

U-Bahnstation Paveletskaja

Architektonische Orientierung an die italienischen Früh-Renaissance

Metrostation Arbatskaja

gebaut im Stil des Moskauer Barock, einem Baustil aus dem beginnenden 18. Jahrhundert.

Taganskaja-Station in der Metro Moskau

Mit den Motiven werden sowjetische und russische Kriegshelden geehrt.

U-Bahnstation Novoslobodskaja

Die Station Novoslobodskaja mit Glasmalereien von Pawel Korin


U-Bahnstation Belorusskaya

Die Metrostation am Weißrussischen Bahnhof thematisiert die Freundschaft mit dem weißrussischen Volk.

U-Bahn fahren in der Moskauer Metro

Die Waggons selber sind in der Metro in Moskau recht alt. Sie rumpeln und sind schlecht isoliert, sodass bei zunehmender Geschwindigkeit manchmal sogar ein Druck auf den Ohren entsteht.

Doch das U-Bahn fahren ist sehr bequem und einfach: Morgens und abends und eher außerhalb, wenn nicht viel los ist, gibt es kaum Wartezeiten. Tagsüber jedoch, insbesondere in den beruflichen Stoßzeiten im Stadtzentrum, kann schon einmal so viel los sein, dass man erst einige Bahnen wegfahren lassen muss, bevor man einen Waggon betreten kann, denn schließlich wird die Metro täglich von bis zu 9 Millionen Fahrgästen genutzt. Die Moskauer selbst sind dies wohl gewohnt und sorgen vor: Der Großteil von ihnen ist beim U-Bahn fahren in Bücher, Zeitungen oder Tablets vertieft. Außerdem fällt auf, dass junge Menschen Senioren so gut wie immer ihre Sitzplätze überlassen.

Youtube-Video über die U-Bahn in Moskau von russland.ru: Geheimnisse um Moskaus Metro

Die braune Ringlinie der Moskauer Metro war ursprünglich gar nicht geplant. Angeblich soll erst eine von Stalin auf einem Stadtplan abgestellte Kaffeetasse, auf diesem einen braunen Ring hinterlassen und somit den Anstoß gegeben haben.

Meist sind die Bahnen pünktlich, die Fahrpläne sind sehr übersichtlich und von draußen ist eine U-Bahn-Station sehr leicht zu erkennen. Die Einzelfahrt kostet 28 Rubel umgerechnet etwa 0,69 Euro (Stand: Februar 2013). Eine Einzelfahrkarte gilt, bis man die U-Bahn-Station wieder durch die Sperre verlässt, ansonsten kann man herumfahren und in verschiedene Richtungen umsteigen, solange man möchte.

Die Laufwege in der Moskauer Metro sind nicht besonders lang, jede Station hat eine einheitliche Länge von 155 Metern. Eine Ausnahme bildet die „Arbatskaja“ mit 240 Metern.

Die Bahnen der Moskauer Metro verkehren von 05:30 Uhr bis 02:00 und somit mehr als 20 Stunden am Tag. Als Verkehrsmittel ist die Metro in Moskau also überaus praktisch und bequem, doch was sie zu einem unbedingt sehenswerten architektonischen Erlebnis macht, ist die wunderschöne Gestaltung der palastähnlichen Stationen.

Quellen

Bildquellen

  • Metrostation Dostojewskaja: Eternal Triangle / wikimedia.org
  • Metrostation Belorusskaya: A.Savin / wikimedia.org
  • Metrostationen Kiewskaja, Komsomolskaja, Paveletskaja, Arbatskaja, Novoslobodskaja: Evgeni Tcherkasski / flickr.com