Mit dem Wechsel zum Winterfahrplan 2013/14 am 15. Dezember 2013 gibt es bedeutende Fortschritte im Öffentlichen Nahverkehr in München-Pasing: die Straßenbahnlinie 19 fährt jetzt direkt zum Pasinger Bahnhof.

Neue Verkehrs­führung der Straßenbahn in Pasing

Bahnhof München-Pasing

Pasinger Bahnhof: der verkehrsberuhigte Bahnhofsvorplatz

Openstreet­map-Karte des Pasinger Zentrums

Deutlich ist zu sehen, wie die Nordumgehung (Bundesstraße 2) das Zentrum entlastet und die Tramlinie eine Schleife vorbei am Bahnhof fährt. © OpenStreetMap-Mitwirkende

Die Straßenbahn nutzt nicht mehr wie bisher die Wendeschleife des Pasinger Marienplatzes, sondern biegt beim Rathaus rechts ab in die Bäckerstraße, hat an deren nördlichem Ende, nur wenige Schritte vom Bahnhof München-Pasing ihre Endhaltestelle, den Einstieg direkt am Bahnhofsvorplatz und vollendet das verkehrsberuhigte Karrée über Gleichmannstraße und dem Endstück der Landesberger Straße. Die Tram 19 fährt dann wie bisher zurück zum Rathaus und dann weiter über Willibaldplatz und München-Hauptbahnhof zur anderen Endstation an der St. Veit-Straße am Ostpark. Die Bauarbeiten dauern aber noch weiter an, so werden die verkehrsberuhigten Straßen noch mit modernen Haltestellen, Bäumen und Kunstwerken, versehen, so dass das Quartier städtebaulich aufgewertet wird. Gekostet hat der fünf Jahre andauernde Umbau rund 12 Millionen Euro.

Youtube-Video: Straßen­bahn­linie 19 nutzt letztmalig die Wendeschleife am Pasinger Marien­platz

Die Kehrtwende an der Pasinger Mariensäule ist jetzt Geschichte.

Trambahn endet jetzt am Pasinger Bahnhof

Jungfernfahrt der Tramlinie 19 zum Bahnhof München-Pasing: hier die Abfahrt am Pasinger Rathaus via Großbildleinwand

Jungfernfahrt der Tramlinie 19 zum Bahnhof München-Pasing: hier die Abfahrt am Pasinger Rathaus via Großbildleinwand

Dass die Endhaltestelle der Tram 19 bisher 250 Meter abseits des Verkehrsknotenpunktes Pasinger Bahnhof lag, war einfach historisch gewachsen. Die Straßenbahn kommt seit 1908 nach Pasing, jedoch nicht an den zentralen Umsteigepunkt, dem mit 85.000 Reisenden pro Tag viertgrößten bayerischen Bahnhof mit direkten ICE-Verbindungen nach Budapest, Hamburg-Altona und Warnemünde. Abhilfe in Gestalt eines 950 Meter langen Gleises konnte pünktlich zum 1250-jährigen Jubiläum (763 erstmals urkundlich erwähnt, Verleihung der Stadtrechte 1905, Eingemeindung 1938) des Stadtteils durch den im Dezember 2012 fertiggestellten Bau der Nordumgehung Pasing – kurz: NUP (Streckenlänge: 1,35 km, Baukosten: 74 Millionen Euro, Bauzeit: 2008 bis 2014) – geschaffen werden, die das Zentrum Pasings von Stau, Abgasen und Lärm entlastet und neue Möglichkeiten für Straßenbahn, Bus, Fußgänger und Radfahrer schafft. Mit Blasmusik und wahrhaft „großem Bahnhof“ feierten die Pasinger die Neuerung in ihrem Nahverkehrssystem. Rund 18.000 Schaulustige waren vor Ort.

MVG-Chef Herbert König - Tramstrecke in Pasing

MVG-Chef Herbert König übernahm persönlich das Steuer bei der Jungfernfahrt auf der neuen Tramstrecke in Pasing.

OB Christian Ude, der auch Aufsichtsratsvorsitzende der Münchener Verkehrssgesellschaft ist, und MVG-Vorstandsvorsitzender Herbert König schwangen launige Reden, lobten die Geduld der Pasinger während der Bauphase und ließen Milde walten gegenüber Stadtvätern und Stadtplanern der Vergangenheit, die Straßenbahnen am liebsten komplett durch U-Bahnen ersetzt hätten. Die Festbesucher hatten die Möglichkeit, die Strecke zwischen Pasinger Bahnhof und Willibaldplatz sowohl mit nagelneuen als auch mit historischen Straßenbahnen kostenlos zu befahren.

Historische Straßenbahn - Bürgerfest München-Pasing

Historische Straßenbahn der Baureihe P beim Bürgerfest in München-Pasing

Ausblick: Anbindung an die U5 nach wie vor gewünscht

Nun ist die ehemalige Achse Bodenseestraße/Landsberger Straße dank NUP vom Durchgangsverkehr befreit (zuvor waren es pro Tag rund 40.000 Autos), der Bahnhof wurde nach mehreren Erweiterungen barrierefrei hergerichtet, strahlt in neuem Glanz und ist auch mit der Straßenbahn erreichbar. Ein weiterer Wunsch der Pasinger wird aber noch weiter unerfüllt bleiben. Die Anbindung an die U5 über die Haltenstellen „Am Knie“ und „Willibaldplatz“ zum Laimer Platz und dann weiter über Hauptbahnhof nach Neuperlach-Süd bleibt angesichts permanent klammer Kassen nach wie vor in weiter Ferne. Auch die Verlängerung der Linie 19 ins Neubaugebiet München-Freiham lohnt sich erst, wenn die Bebauung dort weiter fortgeschritten ist.

Wissenswertes zu hi­stor­ischen Straßen­bahnen in München in Museen und im Internet