Seilbahn Câble 1, Paris

City-Seilbahnen: Paris, London, Barcelona als Vorreiter!

City-Seilbahnen gelten lange als exotische Randerscheinung im urbanen Verkehr. Paris, London und Barcelona zeigen, dass es auch anders geht.

In Westeuropa rücken City-Seilbahnen inzwischen auch in Metropolen in den Fokus, die bislang stark auf klassische Schienen- und Bussysteme gesetzt haben. Paris ist dafür ein besonders spannendes Beispiel. Im Großraum der französischen Hauptstadt entstehen im Rahmen des Projekts Grand Paris mehrere neue Verkehrslösungen, um die stark wachsenden Vororte besser anzubinden. Eine davon ist die geplante urbane Seilbahn Câble C1, die Stadtteile im Süden von Paris miteinander verbinden soll. Die Strecke führt über dicht bebaute Quartiere, Straßen und Grünflächen hinweg – Räume, in denen neue Straßen oder Straßenbahntrassen kaum realisierbar wären. Die Seilbahn wird hier nicht als exotisches Zusatzangebot verstanden, sondern ausdrücklich als Bestandteil des öffentlichen Verkehrsnetzes, mit Integration in den bestehenden Tarifverbund. Paris zeigt damit, dass City-Seilbahnen auch in hochverdichteten, historisch gewachsenen Städten eine ernsthafte Option sein können.




London verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Die Emirates Air Line über die Themse ist vielen vor allem als Touristenattraktion bekannt. Dennoch erfüllt sie zugleich eine verkehrliche Funktion, indem sie die Stadtteile Greenwich Peninsula und Royal Docks verbindet. Besonders interessant ist, dass London die Seilbahn von Beginn an als Experimentierraum verstanden hat. Die Erfahrungen aus Betrieb, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit fließen heute in neue Überlegungen ein, etwa für weitere Querungen von Flüssen oder schwer zugänglichen Entwicklungsgebieten. In einer Stadt, in der neue U-Bahn-Strecken extrem teuer und langwierig sind, werden City-Seilbahnen zunehmend als pragmatische Ergänzung diskutiert – nicht für die Massen, aber für spezifische Korridore mit klar definiertem Nutzen.

Auch Barcelona beschäftigt sich intensiver mit dem Thema. Die Stadt verfügt bereits über die Telefèric de Montjuïc und die Port Vell Seilbahn, die bislang stark touristisch geprägt sind. Gleichzeitig laufen jedoch Studien, die prüfen, ob zukünftige City-Seilbahnen stärker auf den Alltagsverkehr ausgerichtet werden können. Barcelona steht dabei vor typischen Herausforderungen vieler Mittelmeermetropolen: hohe Bebauungsdichte, begrenzter Raum, starke Verkehrsbelastung und topografische Unterschiede zwischen Küstenbereich und höher gelegenen Stadtteilen. Seilbahnen werden hier vor allem als Möglichkeit gesehen, bestehende Netze zu entlasten und neue, direkte Verbindungen zu schaffen, ohne den knappen Stadtraum weiter zu versiegeln.

Diese Beispiele aus Paris, London und Barcelona verdeutlichen, dass City-Seilbahnen längst kein Nischenphänomen mehr sind. Selbst Städte mit gut ausgebautem öffentlichen Verkehr prüfen sie zunehmend als gezielte Ergänzung. Entscheidend ist dabei weniger die Frage, ob Seilbahnen „modern genug“ sind, sondern ob sie für einen konkreten Verkehrsraum die sinnvollste Lösung darstellen. Wo Flüsse, Höhenunterschiede oder überlastete Infrastrukturen klassische Systeme unwirtschaftlich machen, können City-Seilbahnen ihre Stärken ausspielen.

Gleichzeitig zeigt sich, dass der Erfolg solcher Projekte stark von der Einbettung in eine Gesamtstrategie abhängt. Dort, wo City-Seilbahnen isoliert oder primär touristisch gedacht werden, bleibt ihr verkehrlicher Nutzen begrenzt. Wo sie jedoch konsequent als Teil des öffentlichen Verkehrs geplant, tariflich integriert und kommunikativ begleitet werden, können sie Akzeptanz gewinnen und reale Verkehrsprobleme lösen. Paris, London und Barcelona stehen exemplarisch für diesen Lernprozess, der auch für andere europäische Städte zunehmend relevant wird.

Quellen: 

Paris (Câble C1 / urbane Seilbahn):

London (Emirates Air Line / IFS Cloud Cable Car):

Barcelona (Telefèric de Montjuïc / Port Vell):

Bild: Matgrt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons