Im Herzen der italienischen Hauptstadt entsteht eine der außergewöhnlichsten U-Bahnstrecken der Welt. Die Linie C der römischen Metropolitana, die den Römern der Neuzeit und Touristen aus aller Welt als innerstädtische Diagonalverbindung vom Nordwesten in den Südosten der italienischen Hauptstadt dienen soll, führt unterirdisch an einer Vielzahl historischer Stätten vorbei. Unter anderem führt die neue U-Bahnlinie in einer Tiefe von 50 Metern direkt unter dem Kolosseum hindurch.

U-Bahn-Station Stazione Termini Roma

U-Bahn-Einfahrt in der Stazione Termini, dem Hauptbahnhof der italienischen Hauptstadt

Typisch Italienisch? Improvisation bei der Planung, Panne zur Eröffnung, Finanzierung unklar

Beginn des ersten Bauabschnitts war am 2. April 2007, ein erster Teilabschnitt ist seit 2014 in Betrieb, wobei es gleich bei der Eröffnung eine Panne gab. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts mit 30 Bahnhöfen und einer Länge von 25,5 km liegt jedoch in weiter Ferne. Archäologen stoßen im römischen Untergrund immer wieder auf Bodendenkmäler deren Erkundung die Bauarbeiten aufhält und zu Kostensteigerungen führt. Zahlreiche Umplanungen waren bislang erforderlich: die Station Argentina, als zentraler Umsteigebahnhof vorgesehen, muss entfallen, die Station Venezia anders gebaut als ursprünglich vorgesehen und überhaupt soll die ganze Trasse tiefer gelegt werden. Besorgte Kulturschützer fürchten dennoch, dass die Standhaftigkeit des Kollosseums unter dem u-Bahnbau leiden könnte – siehe: http://www.welt.de/reise/staedtereisen/article113808093/Aktivisten-fuerchten-Einsturz-des-Kolosseums-in-Rom.html; mehr zur Bauweise der U-Bahn-Tunnels: http://www.tunnel-online.info/de/artikel/tunnel_Maschineller_Tunnelbau_fuer_zwei_neue_Metrolinien_in_Rom_915939.html. Auch die Finanzierung für die letzten Streckenabschnitte ist noch lange nicht gesichert.

Bauarbeiten an der Linie C der U-Bahn Rom

Die Bauarbeiten an der Linie C brachten unter anderem ein eistmals wohl sehr beeindruckendes Gebäude – damals an der Via Flamina, heute am Verkehrsnotenpunkt Piazza Venezia gelegen – aus der Zeit des Kaisers Hadrian (Regierungszeit 117 bis 183 nach Christus) zutage.

Am Kolosseum sind die Bauarbeiten der Linie C der römischen U-Bahn in vollem Gange.

Am Kolosseum sind die Bauarbeiten der Linie C der römischen U-Bahn in vollem Gange. (Stand: Mai 2015)

Innovativ: Fahrerlose U-Bahn von AnsaldoBreda

Technologisch gesehen ist die Linie C auch in anderer Hinsicht ein Zukunftsprojekt: die Linie C ist das erste größere selbstfahrende öffentliche Verkehrsmittel Italiens. Die Schienenfahrzeuge werden vom neapolitanischen Hersteller AnsaldoBreda SpA gefertigt.

Betreibergesellschaft ist das römische Nahverkehrsunternehmen ATAC (Azienda per i Trasporti Autoferrotranviari del Comune di Roma), das in der italienischen Hauptstadt sowie in den Provinzen Rom und Viterbo tätig ist. Zum U-Bahn-Netz gehören derzeit die 3 Linien A, B und C die mit 83 Fahrzeugen bedient werden. Die aktuelle Streckenlänge beträgt rund 55 Kilometer mit 68 Stationen, von denen 45 unterirdisch liegen.

Piazza Venezia Rom mit dem Monumento Vittorio Emanuele II

ATAC-Buslinie am Verkehrsknotenpunkt Piazza Venezia, im Hintergrund Monumento Vittorio Emanuele II