Öffentliche Verkehrsmittel sind etwas Tolles – kein konzentriertes Fahren, keine lästige Parkplatzsuche, Sprit wird gespart und die Umwelt geschont.
Doch in im ÖPNV – sei es im Zug, in der U-Bahn, in der Straßenbahn oder im Bus – sitzen ja so viele Leute, die dafür bezahlen und außerdem fahren sie ja ohnehin. „Wieso soll ich also auch noch diese teuren Fahrpreise dafür bezahlen?“, denken sich da viele Menschen und steigen einfach ohne gültigen Fahrschein ein – kontrolliert wird ja, besonders in U-Bahnen oder Straßenbahnen, ohnehin nur selten. Da lassen es viele auch schon mal drauf ankommen, und wieder andere sind regelrechte Schwarzfahrprofis und wissen sich schon zu helfen gegen lästige Kontrolleure.
Doch wie ausgeprägt ist Schwarzfahren wirklich, wie viel kostet es, erwischt zu werden, welche Verluste machen dadurch die Verkehrsunternehmen und warum sind viele Menschen nicht dazu bereit, einen Fahrschein zu kaufen?

Jährlich 250 Millionen Euro Schaden bei deutschen Verkehrsunternehmen

Bei der Münchner Verkehrsgesellschaft betrug die Schwarzfahrerquote im Jahr 2012 3 %. Dadurch ist der MVG ein Verlust von sage und schreibe 10 Millionen Euro entstanden. Deutschlandweit ist die Quote ungefähr ebenso hoch, der Schaden wird auf etwa 250 Millionen Euro geschätzt.
In deutschen Städten und im deutschen Fernverkehr kostet es einen Schwarzfahrer 40 Euro oder den doppelten Fahrpreis, wenn er oder sie erwischt wird. Damit kommen Schwarzfahrer hierzulande noch recht günstig davon, Großstädte in anderen Ländern fordern da viel mehr. An der Spitze steht Brüssel, wo ein Schwarzfahrer 200 Euro zahlen muss. Doch auch in Lyon, Zürich oder Luxemburg müssen sie mit 160 bis 180 Euro tief in die Tasche greifen. Allerdings möchte Deutschland nachziehen: Für 2015 möchten die Verkehrsunternehmen eine Erhöhung der Strafen auf 60 Euro durchbringen und es scheint dahingehend gut auszusehen.

Profi-Schwarzfahrer: Schwarzfahren als Protest und als Geschäft

Schwarzfahrer verstehen es immer besser, sich vor Kontrolleuren zu schützen und halten dabei zusammen wie Pech und Schwefel. Der Internetnutzer „Schwarzfahrer“ etwa hat im Jahr 2011 die Facebook-Gruppe „MVV-Blitzer“ gegründet, wo sich die Mitglieder gegenseitig vor Kontrolleuren warnen können, so wie im Radio Blitzer-Meldungen durchgegeben werden. Inzwischen hat diese Gruppe fast 20.000 Mitglieder.
Dieser „Schwarzfahrer“ beteuert aber, dass es ihm nicht darum geht, auf Kosten anderer zu fahren. Er findet einfach, dass die Preise der öffentlichen Verkehrsmittel zu hoch sind und möchte selbst sparen und auch anderen Menschen dabei helfen.
Einige hingegen haben Schwarzfahren im Fernverkehr zu einem sehr lukrativen Geschäft gemacht. Sogar eine „schwarze“ Berufsbezeichnung hat sich schon durchgesetzt: Menschen arbeiten als „DB Schlepper“. Sie haben Monatskarten der Deutschen Bahn, mit welchen sie dazu berechtigt sind, unentgeltlich vier weitere Personen mitzunehmen. Das Wort „unentgeltlich“ lassen sie dabei einfach unter den Tisch fallen. Sie bieten deutlich geringere Preise an als die Bahn selbst und finden natürlich meist mehr als genug Kunden, die dieses Angebot dankend annehmen. Und so kommt es vor, dass sie mehrere Hundert Euro pro Tag einnehmen können, so wie der Protagonist dieses Artikels, und sogar schon gegen Konkurrenten mit Dumping-Preisen zu kämpfen haben.

Sind öffentliche Verkehrsmittel zu teuer?

Nun stellt sich natürlich die Frage, weshalb so viele Menschen schwarzfahren – sind die Preise für öffentliche Verkehrsmittel tatsächlich unverhältnismäßig hoch? Zweifelsohne gibt es lukrative Angebote wie die BahnCard der deutschen Bahn oder diverse Jahres-, Monats- oder Wochenkarten der regionalen Verkehrsbetriebe. Was jedoch oft recht teuer ist, das sind kürzere Einzelfahrten. Deshalb tendieren vermutlich eher Gelegenheitsfahrer, für welche sich keine lukrative Zeitkarte lohnt, zum Schwarzfahren, weil ihnen eine einzige Fahrt den Preis nicht wert ist. In den Münchner öffentlichen Verkehrsmitteln etwa kostet eine Einzelfahrt, welche mehr als zwei Stationen beinhaltet, 2,60 Euro. Wenn jemand nur drei oder vier Stationen zu fahren hat, ist die Versuchung natürlich sehr hoch – denn dass gerade in dieser kurzen Zeit Kontrolleure vorbeikommen, ist sehr unwahrscheinlich, und für eine so kurze Strecke wirkt der Preis natürlich tatsächlich recht hoch. Wer fast nie fährt, wird es oft einfach riskieren. Einige Personen, die zwar hin und wieder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, aber nicht oft genug für eine Zeitkarte, werden sich denken, dass sie mit einer bis zwei Strafzahlungen im Jahr immer noch günstiger davon kommen als dann, wenn sie alle ihre Fahrten bezahlen.
Möglicherweise wäre eine sinnvolle Einteilung der Fahrtpreise und Sparangebote für Gelegenheitsfahrer der richtige Weg zur Lösung des Schwarzfahrer-Problems. Der Strecke angemessene Preise werden zwar niemanden vom Schwarzfahren abhalten, der ein paar kriminelle Adern zu viel in sich hat und sich das zum Beruf gemacht hat, aber bestimmt den einen oder anderen Gelegenheitsfahrer.