Die Strecke zwischen Novosibirsk, der größten Stadt Sibiriens und Almaty der größten und früheren Hauptstadt von Kasachstan, ist 1380 Kilometer lang. Mit einem Schnellzug der russischen Eisenbahn, der mit einer Maximalgeschwindigkeit von circa 120 km/h fährt, dauert es 48 Stunden, um diese Entfernung zurückzulegen. Das klingt lang und anstrengend, doch es lohnt sich, alleine schon aufgrund der Landschaften, an denen man auf dieser langen Reise vorbeikommt.


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Raus aus den Wäldern, hinein in die Steppe – von Sibirien nach Kasachstan

Solange die Eisenbahn durch Sibirien fährt, passiert sie immer wieder kleine Dörfer und zahlreiche Laubwälder. Vor allem von Birken wimmelt es auf der Strecke. Doch wenn der Zug nach ungefähr 12 Stunden die kasachische Grenze durchfahren hat, werden sowohl Dörfer als auch Wälder immer rarer, bis sie schließlich ganz der weiten, leeren kasachischen Steppe weichen. Stunden über Stunden sieht man hinaus und sieht einfach nichts – bis die Eisenbahn plötzlich an einem kleinen Friedhof vorbeifährt. Wohin er gehört, wer dort begraben ist, ja wer dort überhaupt vorbeikommt, all das bleibt einem als Reisender verborgen, doch faszinierend und irgendwie unheimlich ist dieser Friedhof mitten im Nichts schon, der auch irgendwie sehr gut in diese weite Leere passt – wo können Tote in noch tieferem Frieden ruhen, wenn nicht hier?

Bahnhof Almaty 1 - einer der wichtigsten Bahnhöfe in Süd-Kasachstan

Bahnhof Almaty 1: Durchgangsbahnhof im Norden der Stadt | Bildquelle: Ds02006 / wikimedia.org

Das haben sich die Kasachen auch schon früher gedacht. Hin und wieder fährt die Eisenbahn an Grabhügeln vorbei, in denen das Volk früher seine Häuptlinge beerdigt hat. Legenden besagen, das sein ganzes Eigentum mit ihm unter die Erde wanderte, wenn ein Häuptling verstarb – inklusive aller seiner Tiere und Leibeigenen!

Das einzige was hier in der Steppe sonst an die Zivilisation erinnert, sind die Stromleitungen, auf denen es sich seltsame blaue Vögel gemütlich machen, deren Art nicht näher zu bestimmen ist.

Schlafwaggons und regelmäßige Pausen – eine Reise mit der russischen Eisenbahn ist gemütlich und angenehm

Im Zug selber hat man die Wahl zwischen verschiedenen Preisklassen. Am günstigsten ist die Reise in einer Kabine mit sechs Schlafplätzen, von denen einer tagsüber zu Tisch und Bänken umfunktioniert werden kann. Klasse B ist ein sogenanntes Coupé, eine Kabine mit vier Schlafplätzen, die sich schließen lässt und so den Reisenden ein gewisses Maß an Privatsphäre schafft, welche sie sich aber teuer erkaufen müssen: Die Fahrt in einem Coupé ist vier Mal so teuer wie in der Sechserkabine. Klasse A ist dann schließlich dasselbe wie ein Coupé, nur mit zwei Schlafplätzen und einem weiteren Aufpreis.

Im Zug gibt es einen Restaurantwaggon, in dem sich die Fahrgäste etwas zu essen und zu trinken kaufen können, außerdem geht auch ein Mitarbeiter hin und wieder durch den Zug und verkauft Snacks und Getränke. Die meisten Fahrgäste sparen sich jedoch die nicht gerade günstigen Mahlzeiten im Zug und haben ihr eigenes Essen dabei.

Außerdem haben sie die Möglichkeit, sich an den Bahnhöfen, an denen die Eisenbahn Zwischenstopps macht, etwas zu kaufen. Gehalten wird ungefähr alle vier Stunden für ungefähr 30 Minuten an den größten Städten, die auf der Strecke liegen. Hin und wieder wird die Lokomotive ausgetauscht. In diesen Momenten ist genug Zeit, um sich zu versorgen oder sich die Beine zu vertreten.

Bahnhof Almaty 2 - betrieben von der staatlichen kasachischen Eisenbahngesellschaft Kasachstan Temir Scholy

Bahnhof Almaty 2 – Kopfbahnhof nördlkich der Stadtmitte | Bildquelle: Ds02006 / wikimedia.org

In Kasachstan gibt es an den Bahnhöfen nicht nur Kioske, sondern auch zahlreiche Privatpersonen, die selbstgekochtes oder -gebackenes Essen verkaufen. Besonders beliebt sind Teigtaschen oder gekochte Kartoffeln mit Salzgurken. Die Köchinnen und Köche achten meistens auf eine hohe Qualität ihrer Speisen: Sie sehen in der Regel appetitlich aus und schmecken auch sehr gut. In Russland ist dieser private Handel jedoch verboten.

In Almaty angekommen, befindet man sich wieder in einer riesigen Großstadt – kaum zu glauben, dass man stundenlang im Nichts unterwegs war, um hierher zu gelangen.