Man kommt viel herum, muss nicht viel tun, kann sich die Landschaft ansehen und hat gleichzeitig die Macht und die Kontrolle über eine tonnenschwere, gewaltige Maschine: Deswegen hat der Beruf des Lokomotivführers für viele etwas Faszinierendes und Beeindruckendes, doch Näheres über die Ausbildung, das Gehalt und den Alltag eines Lokführers wissen nur wenige.

Fort- oder Ausbildung: Lokführer als Beruf erlernen

Als offizieller Ausbildungsberuf wird die Tätigkeit eines Lokomotivführers von der deutschen Arbeitsagentur als „Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Lokführer und Transport“ bezeichnet. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Angehende Lokführer lernen darin die Verkehrsregeln auf den Schienen und Kenntnisse über Schienen- und Gleisanlagen, die Bedeutung verschiedener Signale und richtiges Verhalten am Steuer, bei Störungen und das Durchführen von Sicherheitsmaßnahmen, organsatorische Aufgaben innerhalb des Betriebes sowie vieles rund um die Eisenbahntechnik. Nach Bestehen einer mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfung kann der frisch ausgebildete Lokführer in den Beruf starten – und hat gute Jobchancen. Denn obwohl der Beruf häufig als interessant bis hin zu faszinierend empfunden wird, entscheiden sich nur wenige Personen letztendlich wirklich dafür, ihn zu erlernen.

Wer eine Ausbildung zum Lokführer machen möchte, braucht einen Schulabschluss, welcher Art dieser ist, ist jedoch nicht von Bedeutung. Wer keine Wahrnehmungsstörungen oder Geh- oder Stehbehinderungen hat und einen psychologischen Eignungstest bestanden hat, kann mit der Ausbildung zum Lokführer starten.

Youtube-Video von radio Bremen (Sendung buten un binnen)

Wer übrigens schon einen anderen technischen Beruf erlernt hat, muss nicht nochmal eine ganze Ausbildung machen, um Lokomotivführer zu werden, hier reicht eine neunmonatige Fortbildung. In vielen Fällen bietet sich dieser Ausbildungsweg sogar mehr an, denn als Lokführer dürfen nur Personen arbeiten, die mindestens 21 Jahre alt sind oder eine Sondergenehmigung haben. Deswegen ist es insbesondere für Hauptschulabsolventen, die ihre Ausbildung schon mit 15 oder 16 Jahren beginnen, empfehlenswert, erst einen anderen Beruf zu erlernen und so lange darin zu arbeiten, bis sie tatsächlich alt genug sind, um offiziell eine Lokomotive führen zu dürfen.

Lokführer Gehalt und Arbeitszeiten

Ein Lokführer bei der deutschen Bahn verdient ungefähr 2400 bis 2700 Euro brutto, für manche Schichten, zum Beispiel Nachtschichten, gibt es Zuschüsse. Bei anderen Bahngesellschaften sind die Löhne leider manchmal deutlich niedriger. Die Arbeitszeit beträgt bei Vollzeitanstellung 39 Stunden pro Woche, die in Wechselschicht absolviert werden. Auch an Wochenenden und Feiertagen müssen Lokomotivführer also manchmal arbeiten, dafür haben sie unter der Woche auch mal frei. Da der deutsche Eisenbahnverkehr inzwischen privatisiert ist, ist ein Lokomotivführer kein Beamter.

Der Arbeitsalltag eines Lokomotivführers

Der Lokführer beginnt seinen Tag mit der Vorbereitung und Kontrolle seiner Lokomotive. Er prüft dabei, ob genug Öl und Sand vorhanden sind und ob die Bremsen einwandfrei funktionieren. Wenn es dann ans Fahren geht, muss ein Lokomotivführer auf einige Dinge aufpassen: Das Bremsen, die Geschwindigkeitseinstellung und das Halten erfolgen nicht automatisch, sondern werden vom Lokführer eigenhändig durchgeführt, wobei solche Tätigkeiten natürlich seltener vorkommen als etwa beim Autofahren. Wer selbst als Fahrgast ab und zu Zug fährt, wird wissen, wie lange manchmal ein Zug in der selben Geschwindigkeit vor sich hin fährt. Doch obwohl sich der Lokomotivführer in diesen Phasen entspannen kann und nicht viel tun muss, muss er doch stets konzentriert und aufmerksam seine Strecke beobachten, um keine Signale oder Personen und Tiere auf den Schienen zu übersehen.

Lokführer ist ein interesstanter und verantwortungsvoller Beruf. Die Bahn sucht dringend Nachwuchs.

ICE-Lokführerauf der Strecke Hamburg - Lübeck. Regionalexpress im Gegenverkehr.

Blick aus dem Führerstandes eines ICE auf der Strecke Hamburg – Lübeck | Bildquelle: Ralf Kranert / Deutsche Bahn AG

Viele unstressige, entspannte Momente sind also bis Schichtende für Lokführer an der Tagesordnung. Am Ende des Arbeitstages wird vor dem Feierabend noch einmal das Fahrzeug überprüft.

Doch der Beruf kann auch stressige bis hin zu tragische Momente mit sich bringen: Ein Lokomotivführer trägt stets eine große Verantwortung, insbesondere wenn er volle Züge mit Hunderten von Fahrgästen befördert, deren Sicherheit in seiner Hand liegt. Unfälle, bei denen Menschen durch einen Zug getötet werden, sind gewiss für keinen Lokführer leicht zu verkraften, doch gehören glücklicherweise zu den Ausnahmefällen.