Der andauernde Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) sorgt seit dem Wochenende erneut für Unmut im Land. Doch momentan deutet nichts darauf hin, dass die Gespräche konstruktiv laufen.

Kaum Verständnis bei DB, EVG und den Fahrgästen

Letzte Woche sollte es allerdings neue Gesprächsrunden geben, doch plötzlich ruft die Gewerkschaft zu erneuten Streiks auf. Aus Sicht des Personalvorstandes der Deutschen Bahn ist dies eine ziemliche Dreistigkeit. Innerhalb von zehn Tagen wird nun das dritte Mal gestreikt. Betroffen sind vor allem der Regional- und Fernverkehr, sowie der S-Bahn Verkehr. Es sind damit nicht nur Wochenendpendler, sondern auch urlaubsreisende betroffen. Pikant ist auch, dass in einigen Bundesländern die Ferien gerade anfangen und vorbei sind.

Viele Kunden, die auf die Züge angewiesen sind verständlicherweise sehr verärgert. So wurde der Gewerkschaft nun vorgeworfen, den Streik auf dem Rücken der Kunden auszutragen und so aus Eigennutz zu handeln. Unverständlich ist die ganze Sache auch, da die Bahn den Lokführern und Zugpersonal die geforderten 5 Prozent nun in Aussicht stellt. Zudem fordert die GDL zwei Stunden weniger Arbeitszeit in der Woche. Immer wieder hat die Deutsche Bahn betont zu Gesprächen bereit zu sein. Momentan scheint es, als wenn die GDL sich mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) einen Machtkampf liefert. Denn die EVG ist für die Zugbegleiter und Mitarbeiter in Bahnrestaurants verantwortlich, auch sie sollen von den fünf Prozent mehr Lohn profitieren. Die Bahn hingegen fordert klare Zuständigkeiten, wer nun die aktuelle Tarifrunde führt, um ein Wirrwarr bei ihren Angestellten zu vermeiden. Kritisiert wurden auch die zu kurzfristigen Bekanntmachungen der Streiks. Kaum ein Kunde hat die Chance, rechtzeitig zu reagieren.

Wie der Fahrgast zur Geisel wird

Laut Fahrgastverband Pro Bahn geht es der Gewerkschaft im aktuellen Bahnstreik nur um eine Ausweitung des Machtbereiches. Mit den tariflichen Forderungen hat dies nicht mehr viel zu tun. Immer lauter wird die Kritik, dass der Streik auf den Rücken aller Kunden ausgetragen wird. Es handelt sich bei den Lokführern um eine überschaubare Anzahl, die durch einen Stillstand der Züge eine Wirkung entfalten. Jedoch stehen auf der anderen Seite circa hunderttausend Fahrgäste. Auch in den Medien und diversen Talkshows wird seit einigen Tagen kaum ein anderes Thema mehr diskutiert, als der Lokführer-Streik. Was auffällt ist, dass sich die Kritik nur an die Gewerkschaft Deutscher Lokführer richtet, nicht jedoch an die Deutsche Bahn. Wenn es nach der Meinung einiger Experten geht, dürften in Zukunft nicht mehr alle Berufsgruppen streiken. Dies betrifft insbesondere Lokführer, Piloten und Busfahrer. Denn auch die Lufthansa mit ihrer Tochter Germanwings hat wieder zu Streiks aufgerufen. Die Kunden haben so kaum noch Möglichkeiten, auf eine Alternative umzusteigen. Es geht nicht um das allgemeine Streikrecht, denn dies besteht in Deutschland zweifelsohne. Im Vergleich zu anderen Ländern liegt Deutschland bei der Streikanzahl zudem deutlich zurück. Jedoch sollte nicht die gesamte Infrastruktur im Land betroffen sein. Für einzelne Berufsgruppen sollte das Streikrecht gemindert werden. Auch der Betriebsratschef von Porsche ist für ein eine Tarifeinheit und bezeichnet den aktuellen Streik als nicht solidarisch und egoistisch. Der klassische Streik läuft unter Betrieben ab, die sich einer Gewerkschaft angeschlossen haben und nun einen Tarifvertrag durchsetzen wollen. Dies ist jedoch nicht im aktuellen Bahnstreik zu sehen. Aktuell wird durch die Bundesregierung ein Tarifeinheitsgesetz vorbereitet, dass im Dezember im Bundeskabinett eingebracht werden solle. Dann darf nur noch die größte Gewerkschaft in einem Unternehmen die Tarifverhandlungen führen und zu Streiks aufrufen. Somit würden den kleineren Gewerkschaften wie Cockpit, dem Ärzteverband Marburger und der GDL die Existenzgrundlage entzogen.

Youtube-Video des Bayerischen Rundfunks zum Lokführerstreik

Die Gewerkschaft der Lokführer fordert mehr Geld und eine Verkürzung der Arbeitszeit

Fakt ist, seit Samstagmorgen wird wieder gestreikt und erst Montagfrüh soll der Bahnverkehr wieder anfangen zu rollen. Auch wenn der Streik dann vorerst zu Ende ist, wird es weiter zu Verspätungen und Zugausfällen kommen. Hinzukommt, dass auch der Güterverkehr von dem Streik betroffen ist. Dies betrifft vor allem Zulieferer in der Automobilbranche. Ab Montag wird vorerst eine Ruhepause im aktuellen Lokführer-Streik durch die Gewerkschaft angekündigt. Diese Pause beschränkt sich jedoch vorerst nur auf einen Zeitrahmen von sieben Tagen. Reisende müssen also in der Zukunft weiter mit Einschränkungen rechnen, wenn es nicht bald zu einem Ergebnis kommt. Nun hat sich auch der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt eingeschalten und forderte beide Parteien dazu auf, den festgefahrenen Tarifkonflikt so schnell wie möglich zu entschärfen, damit den Kunden nicht noch mehr Schaden zugefügt wird.

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