Das Vorwärtskommen in philippinischen Großstädten ist nicht einfach. Das Chaos ist riesengroß, Verkehrszeichen und Ampeln relativ sparsam gesetzt und Verkehrsregeln reine Interpretationssache. Touristen wählen in den Metropolen Manila und Cebu City meist das Taxi, um im Verkehrsgewirr voranzukommen: das ist bequemer, führt auf direktem Weg zum Ziel und ist – verglichen mit Taxifahrten in München – relativ preiswert. Für die Filippinos hingegen sind Jeepneys die wichtigsten innerstädtischen öffentlichen Verkehrsmittel.

Jeepneys: Überschüssige Jeeps aus Beständen der US-Armee

Die Geschichte der Jeepneys ist eng mit der Kolonialgeschichte verbunden. Die Philippinen waren bis 1946 eine amerikanische Kolonie, die USA behielten aber jahrzehntelang wirtschaftliche Sonderrechte und militärische Stützpunkte und spielen bis heute eine wichtige Rolle im Land der 7.107 Inseln. Findige Unternehmer wandelten überschüssige Jeeps der US-Armee in Passagier-Busse mit schattenspendendem Dach und individuellen, meist religiösen Motiven um und versahen sie mit verchromten Radkästen. An Bauart und Lackierung erkennen Filippinos, ob das Gefährt aus der Hauptstadt Manila, aus der zentralphillipinischen Metropole Cebu City oder aus Davao ganz im Süden auf Mindanao stammt.

Typen von Jeepneys

Die älteren großen Jeeps basieren auf aufgearbeiteten amerikanischen Armeejeeps – auch Sarao oder Armak genannt – nach den bekanntesten Werkstätten in Manila. Die neueren sind umgebaute Isuzu Elf Truks oder Mitsubishi-LKW. Die kleineren hingegen werden als Multicabs bezeichnet und stammen von der Firma AS Fortuna in Mandaue, die zunächst gebrauchte Mini-Lkw, später Neu-Fahrzeuge, aus Japan (dort als Keitora = „leichte Nutzfahrzeuge“ bezeichnet, sie verfügen über einen Hubraum von nur 660 ccm) importierte und sich darauf spezialisierte diese für philippinische Anforderungen anzupassen. So werden diese von Rechts- auf Linkslenker umgebaut.

Isuzu Multicab

Unverkennbar japanische Bauart: Isuzu Multicab

Die staatliche LTFRB – Land Transport Franchises Regulatory Board gewährt Lizenzen an die Jeep-Betreiber und legt die Tarife fest. Die Fahrzeuge sind als „Public Utility Jeeps“ (PUJ) klassifiziert, sie sind aber in Privatbesitz. Eine Besonderheit des Systems ist, dass die Betreiber die Häufigkeit der Fahrten selbst festlegen können und auch mehrere Unternehmen dieselbe Strecke bedienen können.

Fahrtrouten und Fahrtzeiten

Dass Touristen lieber ins Taxi steigen, ist nicht nur auf den dürftigen Komfort in den Jeepneys zurückzuführen – es ist recht eng und nicht selten stoßen Passagieren beim Ein- und Ausstieg sich die Köpfe an. Es ist zumindest in Cebu City auch nicht ganz einfach, sich einen Überblick über das Streckennetz zu verschaffen. Entsprechende offizielle Routenpläne gibt es weder als Aushänge noch im Internet und die LTFRB hält so etwas auch nicht für notwendig, stattdessen kursieren im Netz inoffizielle Streckenpläne: http://cebujeepneys.weebly.com/ und https://www.facebook.com/cebujeepneysroutemap. Andernorts gibt es für diese Zwecke immerhin eine App:

Feste Haltestellen, sogenannten PUJ-Terminals, gibt es nur an wenigen Hotspots wie etwa an der Ayala Mall und an der SM Mall. Allerdings ist der Zeitpunkt der Abfahrt reine Glücksache, da die Fahrer in der Regel mit der Abfahrt warten bis der Jeep voll ist. Fahrpläne, indem feste Fahrtzeiten festgelegt wären, gibt es nicht. Sie wären angesichts der Verkehrsdichte auch sinnlos.

Wer auf freier Strecke Ein- oder Aussteigen möchte, gibt Handzeichen oder klopft mit einer Münze ans Karosserieblech. Vergleichsweise umständlich ist auch das Bezahlen: manchmal befindet sich ein Schaffner zum Abkassieren im Fahrgastraum, ansonsten wird das Geld über die Mitfahrer zum Fahrer durchgereicht und auf gleichem Weg das Wechselgeld zurückgegeben.

Passagiere auf Trittbett

Passagiere auf dem Trittbett

Zukunft der Jeepneys

Dass die Jeepneys für Umwelt und Gesundheit problematisch sind – allein in der Hauptstadt Manila sollen davon 75.000 Stück fahren – haben auch die Verkehrsbehörden erkannt und so wird ernsthaft über E-Jeepneys nachgedacht, die mit Chip-Karten bezahlt werden können.

Weitere Quellen