Chaotisch und immer zu spät: Das ist das Image der Deutschen Bahn. Viele Fahrgäste beschweren sich, dass der Service und vor allem die Pünktlichkeit im Verhältnis zur Höhe der Ticketpreise bei der Deutschen Bahn viel zu kurz kommen.

Die Pünktlichkeit gilt als das Urproblem der Bahn überhaupt. Seit den ersten Fahrten der deutschen Eisenbahn, gibt es den ständigen Kampf mit der Unpünktlichkeit. Doch die Bahn ist nicht tatenlos, sondern arbeitet an der Beseitigung ihres viele Jahre alten Problems. Gibt es also Hoffnung für all jene, die von den ewigen Verspätungen der Bahn, von dem Davonfahren der Anschlusszüge und all dem damit verbundenen Stress genervt sind?

Die aktuellsten Daten der Pünktlichkeitsstatistik der Deutschen Bahn: Wie unpünktlich ist die Bahn eigentlich?

Die aktuellste Statistik von Oktober 2016 zeigte folgende Werte für Nah- und Fernverkehr:

  • 76,9 % aller Fahrten im Fernverkehr hatten nicht mehr als 6 Minuten Verspätung. 92,7 % der Fahrten waren nicht mehr als 16 Minuten zu spät.
  • Der Nahverkehr weist deutlich bessere Zahlen auf: Hier waren 93,7 % aller Fahrten nicht mehr als 6 Minuten verspätet und sogar 99,0 % hatten eine geringere Verspätung als 16 Minuten.

Diese Statistik zeigt, dass Unpünktlichkeit vor allem ein Problem des Fernverkehrs ist. Unglücklicherweise wirkt sie sich hier aber auch am meisten aus, denn Anschlusszüge fahren nicht, wie es im Nahverkehr häufig der Fall ist, sehr regelmäßig, und die zurückzulegenden Entfernungen sind natürlich auch größer, sodass ein verpasster Anschlusszug für den Fahrgast auch mal eine Nacht am fremden Bahnhof bedeuten kann. Außerdem hat sich die Statistik für den Fernverkehr in den letzten Jahren verschlechtert: 2009 waren es immerhin 81,2 % der ICEs, die mit nicht mehr als 6 Minuten Verspätung eintrafen.

Wie funktioniert die Pünktlichkeitsstatistik der Deutschen Bahn?

Die Pünktlichkeitsstatistik der Deutschen Bahn wird ein Mal pro Monat erhoben. Alle Fahrten des Fern- sowie der Nahverkehrs, darunter auch aller S-Bahnen, werden dabei erfasst. Das sind insgesamt etwa 20.000 Fern- und 780.000 regionalen Fahrten, insgesamt also circa 800.000 Bahnfahrten.

Es gibt zwei Pünktlichkeitsniveaus. Auf dem ersten Niveau gelten alle Fahrten als pünktlich, die weniger als 6 Minuten Verspätung haben. Das zweite Niveau lässt 16 Minuten Verspätung zu, um noch als pünktlich zu gelten.

Allerdings ist auch wichtig zu wissen, dass Züge, die komplett ausfallen, von der Statistik nicht erfasst werden. Letztendlich würden sie sie vermutlich um einige Prozente verschlechtern.

Was sind die Gründe für die Verspätungen der Deutschen Bahn?

Häufig wird über die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn geschimpft, doch fairerweise muss gesagt werden: Manchmal sind die Verspätungen kein Verschulden der Bahn. Dennoch sind es immerhin zwei Drittel aller Verspätungen, die in die Verantwortlichkeit des Unternehmens fallen, während ein Drittel unbeeinflussbar ist.

Für technische Probleme oder solche wie Zugmangel, Baustellen, überhitzte Bremsen oder sämtliche die Infrastruktur betreffenden Gründe, wozu beispielsweise zu alte Stellwerke gehören, muss die Bahn die Schuld auf sich nehmen. Ebenso für Verspätungen, die durch sogenannte „Flügelzüge“ zustande kommen. Das sind Züge, die auf der Strecke voneinander getrennt werden und die einzelnen Teile in verschiedene Richtungen weiterfahren. Zwar geht es einfach und schnell, die Züge zu trennen. Aber dort, wo sie zusammengesetzt werden, kommt es häufig zu Verspätungen, denn das ist ein deutlich komplexerer Vorgang.

Für schwere Unwetter hingegen kann das Unternehmen natürlich nichts, ebenso wenig wie für die leider immer wieder zu beklagenden „Personen auf der Fahrbahn“.

Bahnverspätungen sind außerdem fast immer ein Teufelskreis: Kommt ein Zug zu spät, so zieht das meist viele weitere Zugverspätungen nach sich, da das Gleis dann natürlich belegt ist.

Die Arbeit an Verbesserungen: Mehr Pünktlichkeit bei der Bahn ist ihr erklärtes Ziel

Einer der Topmanager bei der Bahn, Kay Euler, gibt allerdings selbst zu, dass die Bahn sich häufig auch hinter Ausreden versteckt und vieles einfach besser im Griff haben muss.

Nun hat das Team, das gegen die Verspätungen vorgehen soll, ein sogenanntes „Lost Unit“-System eingeführt. Als eine „Lost Unit“ gilt eine Verspätung von 90 Sekunden zwischen zwei Bahnhöfen. Diese wird dann einem der Gründe für die Verspätung zugeschrieben. Dort, wo die meisten Verspätungen entstehen, wird zuerst angesetzt.

Zuletzt waren es die Baustellen, die der Pünktlichkeit der Bahn unverhältnismäßig stark im Weg standen. Verschiedenste Lösungswege wurden überlegt und umgesetzt, zum Beispiel die Fortsetzung der Bauarbeiten bei Nacht oder ein Wechsel der Reihenfolge der Züge, welche die Baustelle umfahren. Erste Erfolge zeigten sich bei dem Baustellen-Problem bereits.

Das Inangriffnehmen des Baustellenproblems war erst der Anfang. Immer mehr Mitarbeiter beschäftigt die Bahn mit der Analyse von Faktoren, die die Pünktlichkeit der Bahn beeinträchtigen und mit dem Finden von darauf aufbauenden Lösungsansätze, wie dieser ausführliche Artikel deutlich zeigt.

Es gilt also, die Entwicklungen bei der Bahn weiterzuverfolgen – vielleicht gibt es in einigen Jahren schon deutlich weniger Zugverspätungen und mehr zufriedene und entspannte Bahnfahrer, die pünktlich an ihrem Zielort ankommen?

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