Schnell, umweltschonend und selbstfahrend: Zukunftsorientierte Zugkonzepte
Die digitale Revolution prescht in vollen Zügen voran. Was noch vor einigen Jahren ein Unding war, ist heute nicht mehr aufzuhalten. Selbstfahrende Autos, autonome Drohnen, sprachgesteuerte Systeme sind kein Hexenwerk sondern dringen langsam in unseren Alltag vor. Automobilhersteller nutzen beispielsweise das relativ neue System der Virtual Reality, um neue Mitarbeiter auf realistische Weise zu schulen ohne dabei den laufenden Betrieb zu tangieren. Es ist klar, dass diese Revolution auch vor dem Bahnverkehr keinen Halt macht.

Neue Konzepte für die Züge der Zukunft

Die neuen Konzepte reichen vom Gedanken der Effizienz bis hin zu reinen Luxusspielereien für diejenigen, die Geld kaum mehr als Ressource anzusehen vermögen. Viele Zugführer haben berechtigt Angst um ihren Arbeitsplatz. Denn ein zentral gesteuertes Bahnsystem mit an diesen angeschlossenen Zügen, welche über eine eigene Sensorik verfügen, um auf mögliche Gefahren und nicht einkalkulierte Neuerungen eingehen zu können, ist schlicht die Zukunft der Fortbewegung auf Schienen. Menschliche Fehler werden hier nahezu auszuschließen sein und da die meisten Zugunglücke auf eben jene Fehler zurückzuführen waren, ist der selbstfahrende Zug bereits aus rein praktischer Sicht eine Überlegung wert.

Der AeroLiner 3000: Der doppelstöckige Schnellzug

Ein besonderes Konzept stellt der AeroLiner 3000 dar. Dieser soll in Großbritannien die Probleme des überlasteten Bahnnetzes angehen ohne dabei eine kostspielige Erneuerung der Infrastruktur zu benötigen. Dass dieser Zug zusammen mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtinstitut entworfen wurde, ist bereits richtungsweisend. Das Fliegen profitiert vor allem von zwei Aspekten: Leichtbau und Reibungseffizienz. Eben jene zwei Aspekte fließen sichtlich in das Konzept des AreoLiner 3000 ein. Aufgrund seiner speziellen Konstruktion bleibt der Innenraum des Zuges relativ frei in seiner Ausstattung. Hierdurch wird nun endlich ein doppelstöckiger Schnellzug möglich. Dies wurde bislang durch die kleinen Lichtraumprofile in Großbritannien verhindert. Mit der neuen Leichtbau-Konstruktion des Wagenkastens wird dieses Problem aus der Welt geschafft. Bis zu 30% mehr Sitzplätze sollen somit in dem Zug verfügbar werden, dies würde den Bahnverkehr deutlich entlasten.

Die Hoch­geschwindigkeits­magnet­schwebe­bahn in Japan

In Japan hingegen scheinen die Bestrebungen eher in Richtung Prestige und Luxus zu gehen. Es wird derzeit ein gigantisches Projekt angestrebt: Eine Hochgeschwindigkeitsmagnetschwebebahn zwischen Tokio und Osaka. Interessierten Personen wird schnell auffallen, dass diese Strecke bereits ein Prestigeprojekt besitzt und zwar aus den 60ern. Seit dieser Zeit verfügt diese Verbindung bereits über einen Hochgeschwindigkeitszug und dieser transportiert jährlich rund 143 Millionen Passagiere. Dagegen wirkt das neue Projekt mit einer zu erwartenden Transportmenge von nur 88 Millionen Fahrgästen pro Jahr geradezu gering. Doch gilt wohl vor allem die Technik der Magnetschwebebahn als zukunftsweisend. Denn 500 km/h sind wahrlich kein Pappenstiel und zusammen mit einem Erfolg des Projekts wird auch das Interesse an der Technik steigen. Ob das deutsche Interesse an einer Magnetschwebebahn jemals wieder geweckt werden kann, nachdem es durch Edmund Stoibers mindereloquente Transrapidrede jäh aus dem Leben getreten wurde, ist jedoch eher fraglich.

Zugfahren als Luxusreise: Rollende Hotels

Einen gänzlich anderen Weg schlagen die Anbieter für luxuriöses Reisen ein. Hier wird die Fahrt in einem Zug kein Transport zu einem anderen Ort, sondern es zählt der Aufenthalt im Zug. Rollende Hotels könnte man diese Projekte auch nennen. Ähnlich den Schiffskreuzfahrten werden hier Fahrten in luxuriösen Zügen für zahlungskräftige Kundschaft angeboten. Der Weg wird zum Ziel und es ist selbstverständlich ein besonderes Erlebnis, die mehr als sehenswerte japanische Landschaft, umringt von allen Bequemlichkeiten, zu genießen. Die Idee kommt jedoch nicht von ungefähr. 2013 startete das Unterfangen mit nur zwei Zügen. Man versuchte den Markt im oberen Preissegment für sich zu gewinnen. Mit großem Erfolg, wie sich wenig später herausstellte, denn die Nachfrage war riesig. Momentan boomt das Geschäft noch und wann eine Marktsättigung erreicht wird, ist noch nicht klar. Ob das Konzept sich auf andere Länder übertragen lässt, hängt wohl vor allem von der visuellen Qualität und Abwechslung des jeweiligen Einsatzgebietes ab.

Der Hyperloop: Richtungsweisend oder nicht sinnvoll umsetzbar?

In eine völlig neue Richtung bewegt sich das Projekt Hyperloop aus Amerika. Hier versucht man durch neueste Technik eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen San Francisco und Los Angeles zu bauen, jedoch keine konventionelle Strecke sondern eine in einer geschlossenen Unterdruckröhre. Hierdurch wird versucht den Luftwiderstand stark zu verringern und damit die Maximalgeschwindigkeit zu erhöhen und gleichzeitig die notwendige Energie zu senken. Es ist ein hochambitioniertes Projekt mit vielen äußerst klangvollen Gedanken. Stichworte wie „solarbetrieben“ oder „1000 km/h“ lassen einen natürlich aufhorchen. Doch einen kleinen Haken hat die Sache. Denn eine möglichst nah am Vakuum gehaltene Röhre benötigt massiv viel Energie, um dieses Pseudovakuum zu erreichen. Die Einsparung durch solarbetriebene Vehikel ist da eher gering. Weiterhin spricht man hier von einer 735 Kilometer langen Röhre. Der kleinste Bruch in einem der Teilstücke führt damit zu einem Kollaps der gesamten Strecke und massiven Schäden. Die Welt befindet sich derzeit in einem Zustand von großer Terrorgefahr und ein Sprengsatz irgendwo an dieser Strecke würde den kompletten Betrieb lahmlegen und im Inneren befindliche Fahrzeuge, je nach Entfernung, stark in Mitleidenschaft ziehen. Ob dieses Projekt technisch umsetzbar ist, ist weniger die Frage sondern eher, ob es richtungsweisend sein wird. Wird das Hyperloop-Projekt kosteneffizienter und umweltschonender sein als andere Konzepte? Genau hier steht ein riesiges Fragezeichen und Kritiker halten das ganze mehr für ein Prestigeprojekt, als eine neue Revolution in der Zugfahrt.
Youtube-Video von Clixoom

Kommt der Hyperloop bald nach Deutschland?

… und was macht die Deutsche Bahn?

Die DB steht vor einer Revolution: Die Digitalisierung verändert die Erwartungen ihrer Kunden, ihre Märkte und ihre Technik. In DB-eigenen Laboren wird deshalb der Verkehr von morgen geprobt. Der DB-Personenverkehr hat ein „d.lab“ gegründet, um neue digitale Angebote und damit die Schaffung konkreter Kundennutzen zu entwickeln. Nur wenn diese Maßgabe erfüllt ist, finden die zahlreichen Innovationen und Prototypen, die im „d.lab“ entworfen werden, den Weg zum Kunden.

In der Hauptstadt Berlin ist unter den drei Bögen des S-Bahnhofs Jannowitzbrücke auf 700 Quadratmetern das Zentrum der Initiative Infrastruktur 4.0 entstanden, die DB mindbox. Das Ziel von Infrastruktur 4.0 ist es, die Infrastruktur der DB, zum Beispiel Schienenwege, Bahnhöfe und Energieversorgung, durch digitale Innovationen noch besser zu machen. So sollen die Bahnschienen künftig automatisch melden, sobald Hindernisse wie Fremdfahzeuge, Personen oder Tiere im Gleis sind oder Wartungsarbeiten anstehen. Die Öffnung nach außen ist für die Deutsche Bahn ein zentrales Anliegen, etwa durch die Förderung von Startups. In der DB mindbox arbeiten Mitarbeiter der Deutschen Bahn und der Startups gemeinsam an der Digitalisierung der Eisenbahninfrastruktur.

Bildquellennachweis:
S-Bahnhof Berlin Jannowitzbrücke: Markus Nass / Deutsche Bahn AG